Abschied von einem Freund

Fausto Canete, geboren in Buenos Aires , 18.08.1957, lebte dort bis 1988. Im noch immer existierenden Lokal Contramano traf er dort Reimund, der gerade durch Südamerika reiste, und sie verliebten sich. Sie unternahmen nun zusammen eine gemeinsame Reise durch den Kontinent.
1989 kamen sie dann gemeinsam nach Berlin. Zunächst war es nicht so leicht sich in das Leben hier einzufinden. Es war nicht leicht die fremde Sprache zu lernen und mit der deutschen Mentalität zurecht zu kommen. Auch gab es Schwierigkeiten eine passende Wohnungen zu finden und sie mussten bei Freunden unterschlüpfen. Schließlich fanden sie im Grunewald nahe dem Halensee eine Wohnung, wo sie noch einen Mitbewohner namens Drago bekamen, einen sehr gutmütigen Golden Retriever. Fausto übernahm verschiedene Jobs als Koch in mehreren Restaurants.
Sein großer Traum war aber ein eigenes Restaurant. Schließlich konnte er dies verwirklichen. Er eröffnete in Kreuzberg das kleine Lokal Caminito, benannt nach einer Straße in Buenos Aires. Dies war nicht nur der Treffpunkt vieler Lateinamerikaner, sondern auch das erweiterte Wohnzimmer vieler Kreuzberger aus der Nachbarschaft.
In dieser Zeit organisierte Fausto auch auf spektakuläre Weise die Hochzeitsparty von meinem Mann und mir. Fünf Jahre danach veranstalteten wir zu unserem gemeinsamen 100Jährigen Geburtstag noch eine große Party mit seiner Hilfe. Sein Essen war beide Male grandios.
Als es Schwierigkeiten mit dem Hausbesitzer gab, versuchte Fausto etwas Neues. Er eröffnete einige Meter weiter in der gleichen Straße ein Feinkostgeschäft mit Südamerikanischen Spezialitäten, zum Teil selbst zubereitet. Das ließ sich zunächst etwas schwer an und dann ergab es die Gelegenheit, das Geschäft zu erweitern und so wurde aus dem Almacen de Fausto auch wieder ein Café, wo Faust wieder so ganz in seinem Element war und sich auch bald wieder die Gäste von Nah und Fern einstellten, einschließlich des argentinischen Botschafters. Inzwischen heiratete Fausto seinen Lebensgefährten Reimund und einige Jahre später gab es sogar noch eine kirchliche Trauung, die Faust sehr wichtig war. Wenn er auch kein Kirchgänger war, bedeutete ihm sein Glaube doch viel.
Das zunehmende Alter forderte in den letzten Jahren seinen Tribut und das Betreiben eines gastronomischen Betriebs kostet sehr viel Energie und so fiel die Entscheidung, das Almacen zu schließen. Das war nicht leicht, aber die Vernunft gewann die Oberhand. Immerhin bestand die Hoffnung noch manches Jahr im Winter das vor Jahren erworbene Häuschen in Brasilien mehr nutzen zu können. Doch dann wurde bei einer Untersuchung ein bösartiger Tumor im Darm entdeckt und warf alle Pläne um. Es folgten Operation und Chemotherapie. Scheinbar war sie erfolgreich, denn die Ärzte konnten keinen Krebs mehr feststellen.
Doch wenige Wochen später ergab sich ein ganz anderes Bild mit wieder neu entstandenen Metastasen und dann ging es leider sehr schnell abwärts, auch mit dem Lebenswillen von Fausto. Am 14.05.2025 schlief er ganz friedlich ein. Am selben Tag sah ich am Himmel einen Regenbogen, vielleicht ein letzter Gruß von ihm? Wir trauern zusammen mit vielen Anderen um einen Freund, der gutes Essen und viel Freude in unser Leben brachte. Seinem Ehemann Reimund wünschen wir viel Kraft für die kommende Zeit.
Adios Fausto!

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